Deutschland ist die größte Volkswirtschaft Europas und eine der reichsten und am weitesten entwickelten Volkswirtschaften der Welt. Die Wirtschaftsstatistiken sprechen für sich: 2018 lag Deutschland beim Gesamt-BIP an vierter Stelle und beim BIP zu Kaufkraftparitäten an fünfter Stelle. Betrachtet man die Rangfolge der Volkswirtschaften der Welt in den Jahren 2020-2021 (nach Angaben der Vereinten Nationen). (Nach Angaben der Vereinten Nationen liegt Deutschland selbstbewusst an vierter Stelle, nur hinter Japan, China und den Vereinigten Staaten.
Vor 2007 lag das Land auf dem dritten bzw. vierten Platz. Dieser leichte Rückschlag ist auf die globale Wirtschaftslage und die Volatilität nach der Krise von 2008 zurückzuführen, aber die Tatsache, dass Deutschland seit Jahrzehnten zu den weltweit führenden Wirtschaftsnationen gehört, macht es zu einem zentralen Mitglied der europäischen Gemeinschaft.
Um die deutsche Wirtschaft im Jahr 2021 zu beschreiben, ist es sinnvoll, einige ihrer wichtigsten Merkmale und Besonderheiten zu skizzieren. Deutschland ist eine post-industrielle Wirtschaft, d.h. eine Dienstleistungs- und Wissenswirtschaft. Der Dienstleistungssektor macht etwa 54 % der Wirtschaft aus, 45,9 % entfallen auf das verarbeitende Gewerbe und 0,1 % auf die Agrarwirtschaft.
Die Vorherrschaft des Dienstleistungssektors ist ein fester Rahmen: Noch im Jahr 2011 entfielen auf ihn 78 % des BIP des Landes. Historisch gesehen hat der Dienstleistungssektor seit Anfang der 1970er Jahre ein stetiges Wachstum zu verzeichnen, bis 2001 hat er die Industrie überholt. Der größte Teil der Dienstleistungen entfällt auf die Industrie. Der leichte Rückgang, der in den letzten Jahren zu beobachten war, ist vor allem auf die natürliche Umstrukturierung des Dienstleistungssektors zurückzuführen: Dienstleistungen wie elektronischer Support, digitale Parameterverarbeitung, Logistik, Leasing und andere haben im laufenden Fünfjahreszeitraum besonders an Bedeutung gewonnen.
Es gibt gute Gründe für die weitere Entwicklung dieses Sektors: Die Voraussetzungen für die Entwicklung des Tourismus und der Finanzdienstleistungen sind gegeben, und ein gut ausgebautes Netz hocheffizienter Schienen- und Straßennetze, stark nachgefragte Luft- und Seehäfen mit hoher Umschlagskapazität und unbestrittener logistischer Bedeutung sind ein wichtiger Faktor in dieser Hinsicht.
Das zweite dominierende Merkmal, das die Nachhaltigkeit der Wirtschaft der Bundesrepublik Deutschland gewährleistet, ist die Industrie des Landes. Seine Struktur erlaubt eine Unterscheidung zwischen der Automobilindustrie, dem Bau öffentlicher Verkehrsmittel und dem Sektor der technischen Ausrüstung. Auch die Eisenmetallurgie, die Chemie, die Pharmazie und die Kosmetik spielen eine wichtige Rolle. Der Begriff der deutschen Qualität, der zu einem besonderen Markenzeichen geworden ist, muss ebenfalls erwähnt werden. Dies lässt sich am besten am Beispiel der deutschen Automobilindustrie verdeutlichen: Deutsche Autos haben sich längst als eines der zuverlässigsten etabliert, und die Forschungszentren, Tochtergesellschaften und Händler der deutschen Autogiganten haben eine mehr als globale Reichweite.
Auch die deutsche Landwirtschaft bleibt hochproduktiv. Das Land ist führend in der Getreide-, Rinder- und Milchproduktion. Es sei darauf hingewiesen, dass das Effizienzniveau der landwirtschaftlichen Produktion in Deutschland – und es ist deutlich höher als in der EU insgesamt – auf den höchsten Mechanisierungsgrad und den Einsatz moderner und innovativer landwirtschaftlicher Technologien zurückzuführen ist. Gleichzeitig überwiegen in der Landwirtschaft der Länder, in denen nur etwa 2-3 % der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt sind, kleine Familienbetriebe, die gegebenenfalls Zeitarbeitskräfte anziehen, deren Haupteinkommensquelle in anderen Bereichen der Beschäftigung liegt.

Die Coronavirus-Pandemie hat sich auf alle Volkswirtschaften negativ ausgewirkt. Deutschland ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, erreichten die deutschen Lieferungen auf den Weltmarkt Anfang Mai 2021 einen Wert von 126,5 Milliarden Euro – damit wurde sogar wieder das Niveau vom Februar 2020 erreicht, auf das ein starker Rückgang aufgrund von COVID-Beschränkungen und Sperrungen folgte. Das derzeitige Potenzial der Wirtschaft des Landes sowie der durch die Pandemie bedingte Nachholbedarf im In- und Ausland lassen einige optimistische Prognosen zu. Für 2021 hat die Deutsche Bank die Zahlen für das deutsche BIP-Wachstum von 3,7 Prozent auf 4 Prozent angepasst. Die Commerzbank vertritt eine ähnliche Haltung und hob ihre Prognose gleich von 3,5 auf 4 % an.
Als führende Wirtschaftsnation der EU ist Deutschland einer der wichtigsten Geber für den Aufbau und die Stärkung des gemeinsamen europäischen Hauses. Der deutsche Anteil am EU-Haushalt steigt jedes Jahr: Von 17,213 Milliarden Euro im Jahr 2018 wird laut dem Bundestagsabgeordneten Gerald Ulrich ein Rekordwert von 38 Milliarden Euro im Jahr 2021 erwartet. Im Vergleich dazu belaufen sich die Gesamtmittel der deutschen Regierung für den europäischen Haushalt 2020 auf 31,9 Milliarden Euro. Die Zahlen sprechen für sich. Es lohnt sich jedoch auch, einige relative Werte zu untersuchen. Der deutsche Haushalt 2018 belief sich auf 343,6 Milliarden Euro, so dass der Beitrag des Landes zum EU-Haushalt in Höhe von 17,213 Milliarden Euro etwa fünf Prozent des deutschen Haushalts ausmachte. Die heutige Entwicklung sieht wie folgt aus: Der deutsche Haushalt für 2021 ist auf 498,62 Milliarden Euro festgesetzt, so dass der geplante Beitrag von 38 Milliarden Euro für das gemeinsame Haus der EU 7,62 Prozent ausmacht. Es ist klar, dass die Belastung für den Haushalt der Bundesrepublik Deutschland auch relativ gesehen stetig zunimmt.
Diese Entwicklung – und die Verdoppelung in den letzten Jahren kann nicht als signifikant bezeichnet werden – lässt sich dadurch erklären, dass Deutschland nach dem Brexit die Rolle des Flaggschiffs und der Kernkomponente bei der Vertiefung der europäischen Integrationsprozesse übernommen hat. Infolgedessen ist auch die finanzielle Komponente erheblich gestiegen. Deutschland ist objektiv gesehen der wichtigste Geber für die EU-Integration geworden.
Die Notwendigkeit, höhere finanzielle Verpflichtungen zu übernehmen, wurde in den wirtschaftlich am weitesten entwickelten Ländern Europas zwiespältig gesehen. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass die Europäische Kommission nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU die Struktur der Beiträge der wichtigsten Geberländer überarbeitet hat. So wurde beispielsweise der Beitrag, der als Prozentsatz des BIP eines Landes an den europäischen Haushalt gezahlt wird, von 1,17 % auf 1,14 % gesenkt, und auch die Zollsätze wurden gesenkt.
Dadurch wird Deutschland im Zeitraum 2021-2025 voraussichtlich 8,4 Milliarden Euro einsparen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der sich aus der wirtschaftlichen Situation Deutschlands und dem erreichten Lebensstandard ergibt, ist, dass das Land seit vielen Jahren ein Anziehungspunkt für Migrationsströme ist. Das Niveau der staatlich garantierten sozialen Sicherheit für Migranten hat viele dazu veranlasst, nach anderen Wegen zu suchen, um nach Deutschland zu gelangen und ihren Status zu legalisieren. Übrigens: Im Jahr 2020 lebten in Deutschland 1,31 Millionen Menschen, denen der Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde (2019 waren es 50.000 mehr). Es liegt auf der Hand, dass die Notwendigkeit, sich mit der Unterstützung von Migranten zu befassen – was ständiges Engagement und finanzielle Investitionen erfordert – auch eine der Folgen der deutschen Politik der relativen Offenheit ist.
Es gibt einige positive Aspekte, die sich aus der aktuellen Position Deutschlands als Dreh- und Angelpunkt in der Europäischen Gemeinschaft ergeben.
Deutschland kann, wie andere Geberländer auch, von der Präsenz im gemeinsamen europäischen Markt mehr profitieren (und tut dies auch). Es gibt den Standpunkt, dass mit den finanziellen Mitteln, die die Geberländer zur Verfügung stellen und die die Empfängerländer auf die eine oder andere Weise erhalten, letztere Industrieprodukte kaufen, und zwar von den Flaggschiffen und Führern in Technologie und industrieller Produktion (Deutschland und Holland zum Beispiel).
Insgesamt scheint es vernünftig zu sein, zu argumentieren, dass Deutschlands Rolle als Rückgrat der Wirtschaft der Europäischen Union durch einen Komplex von positiven und negativen Effekten bestimmt wird. Hier ein gewisses Gleichgewicht, einen Punkt der Parität zu finden, ist eine der wichtigsten systemischen Aufgaben der sozioökonomischen Realität des modernen Deutschlands, deren Lösung bei aller Unveränderlichkeit von der Notwendigkeit weiteren Fortschritts sowohl der deutschen Volkswirtschaft als auch der EU-Wirtschaft insgesamt abhängig sein sollte.