Wie im gesamten geografisch und kulturell widersprüchlichen Deutschland ist auch die Region Schwarzwald von Gegensätzen geprägt – Nord und Süd, die Höhe der Berge, die Mentalität und Lebensart der Menschen. Formal ist der Schwarzwald in drei Regionen unterteilt, wobei die mittlere Region vernachlässigt werden kann, da sie sowohl die Merkmale des Südens als auch des Nordens in sich aufnimmt.
Der Schwarzwald erstreckt sich entlang des rechten Rheinufers von Norden nach Süden über Baden-Württemberg im Südwesten Deutschlands und reicht bis nach Bayern. Die Gegend ist berühmt für ihre Geschichte (römische Legionäre kämpften gegen die lokalen Stämme) und für die Märchen der Gebrüder Grimm, die ebenfalls hier spielen. Der Name „Schwarzwald“ bezieht sich vermutlich auf die Dichte des alten Waldes, der aus dunklen Kiefernnadeln besteht, durch die das Licht nur schwer hindurchdringt. Daher ist der Wald selbst an Sommertagen halbdunkel.

Das Klima des Schwarzwaldes ist sein Schatz. Die Region ist berühmt für ihre heißen Sommer, warmen Herbste, schneereichen, milden Winter und den frühen Frühling. Aber es gibt eine Nuance – eine Temperaturinversion aufgrund der Nähe des Flusses und der Gewässer. Meiden Sie deshalb im Spätherbst oder Winter die Niederungen und Täler in Wassernähe im Schwarzwald zwischen Oktober und Februar. In den Wintermonaten scheint auf den Gipfeln und in den Hügeln aufgrund des hohen Luftdrucks ständig die Sonne, während die Städte im Flachland bis Februar/März in dichtem Nebel und unter grauen Wolken liegen.

Der Rhein, der hier gemeinhin als „Papa Rhein“ (wie in „Zubringer“) bezeichnet wird, beansprucht für sich, die wichtigste Wasserstraße der Region zu sein, aber man sollte nicht vergessen, dass südlich des Schwarzwalds die Donau, der längste Fluss der Europäischen Union, fließt.
Trotz der Teilung und der offensichtlichen Unterschiede innerhalb der Region gibt es etwas, das sie eint.

Grundnahrungsmittel: Was die beiden Wälder gemeinsam haben

Eine dem deutschen Volk eigentümliche konzeptionelle Schicht ist der starke, unwiderstehliche Wunsch, die Welt zu erkunden, zu Fuß zu gehen und zu reisen. Im Schwarzwald erstrecken sich auf 23.000 Quadratkilometern spezielle Wanderwege – ein Paradies für Fernwehgeplagte. Die Wege werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Schwarzwaldvereins, dem ältesten und größten Wanderverein Deutschlands, ständig gepflegt und markiert.
Einer der klassischen Wanderwege, der Westweg (285 Kilometer), führt von Pforzheim nach Basel. Sie verbindet alle höchsten Punkte des Schwarzwaldes und kann in etwa zwei bis drei Wochen bewältigt werden.

Das Wort „Wald“ und „Einsamkeit“ in einem Wort vereint, hat eine besondere Bedeutung, die jeden philosophischen Deutschen in die Zeit der Romantik zurückversetzt, als Natur, Individualismus und die stille Gelassenheit der Einsamkeit in den Wäldern en vogue waren. Fragen Sie einen Deutschen nach der Waldeinsamkeit, und die Antwort wird ein rätselhaftes Lächeln des Friedens und der Rückkehr in eine angenehme Kindheit sein. Der Wald macht niemandem Angst – die Deutschen schon.
Die Bäder und die Freikörperkultur

Freikörperkultur oder Naturismus ist in Deutschland legal. Hier treffen sich Jung und Alt in Nacktgruppen und wandern durch Wälder, an Teichen und Badehäusern vorbei. Die Deutschen werden (nicht nur) von ihren Nachbarn, den Schweizern und Franzosen, verachtet. Immer wieder werden in den Grenzwäldern Trupps von nackten Oldtimern gefangen. Aber es ist unmöglich, den etymologisch begründeten kulturellen Code zu überwinden: frei steht für Freiheit, körper für den Körper und kultur für die Lebensweise, die alles zusammenhält. Die Deutschen, trotz ihrer Aperitifs und sogar ihrer Hypochondrie, entledigen sich ihrer Kleidung mit Leichtigkeit. Ein perfektes Beispiel dafür sind die Bäder, in die sie (Männer und Frauen) strikt gemeinsam und ohne Kleidung gehen. Dies ist weder eine Perversion noch eine Laune oder, Gott bewahre, eine Demonstration der Gleichheit. Es ist eine tief sitzende Schicht, die nicht von den wechselnden Jahreszeiten oder dem politischen System verwittert wird. Das Paradoxe ist jedoch, dass das Baden in Deutschland unschuldig und sogar puritanisch ist.

In Deutschland muss man nicht lange suchen, um schlechten Service zu finden (außer vielleicht in Berlin, aber das stimmt nicht). Sie ist überall. Angefangen bei der Tatsache, dass jede Interaktion mit dem Staat und all seinen Strukturen immer noch auf dem Wege der schriftlichen Kommunikation in Papierform erfolgt. Und zwar nicht nur mit dem Staat. Wenn Ihr Auto schlecht gewaschen ist, schreiben Sie einen Brief und beschweren Sie sich. Alles sollte auf Papier dokumentiert werden. Wenn Sie in einer Kantine vergiftet wurden, schreiben Sie einen Brief, wenn die Waren nicht geliefert wurden, schreiben Sie einen Brief. Vorzugsweise mit einem Kugelschreiber. Und wenn Sie einen persönlichen Stempel haben, ist das schon die halbe Miete.
Es ist kein Mythos, dass Faxe in Deutschland immer noch weit verbreitet sind (möglicherweise ist es heute wirklich die sicherste Art der Informationsübermittlung). Wir haben einen Vertrag mit dem Mobilfunkbetreiber O2 unterzeichnet. Man musste zu einem Telekommunikationsgeschäft kommen, ein Formular von Hand ausfüllen und es dem Berater geben. Er tippte die Daten in den Computer ein, riet uns aber, den Fragebogen mitzunehmen und ihn per Fax zu schicken, um den Vorgang zu beschleunigen.
Es kann problematisch sein, mit einer ausländischen EC-Karte zu bezahlen. Hofläden, Metzger und Marktverkäufer bevorzugen nach wie vor Bargeld. Alle anderen Plastikkarten werden als Kreditkarten bezeichnet und blicken verächtlich auf ihre Besitzer, die „auf Pump“ leben.
Es besteht der Verdacht, dass „Schwarzwald“ ein moderner Euphemismus ist, der aus dem Dornröschenschlaf der Bewohner der Region geboren wurde, in den Technologie und moderne Trends nur schwer eindringen konnten. Wie das Licht durch das Dickicht in alten Zeiten.

Die „Aussiedler“ in Deutschland sind eine besondere Gruppe. Personen mit sogenannter deutscher Staatsangehörigkeit, die unter das „Gesetz über Vertriebene und Flüchtlinge“ fallen. Seit 1990 hat Deutschland etwa 3 Millionen solcher Bürger aus der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa aufgenommen. Im Rahmen der Rückführungsprogramme übernimmt Deutschland die Verantwortung für die Erstintegration der Zuwanderer, beginnend mit Deutschkursen, Hilfe bei der Arbeits- und Wohnungssuche und sozialer Anpassung. Eine Gruppe derjenigen, die vor langer Zeit, in den 90er Jahren, nach Deutschland gekommen sind, zeichnet sich durch die Wahrnehmung Russlands oder ihrer damaligen Länder und eine entsprechende Einstellung zu den Vorzügen des Gastlandes aus. Es sind Menschen, die in der Zeit eingefroren sind, die es im Allgemeinen nicht geschafft haben, die Sowjetunion zu verlassen und sich in die europäische Gesellschaft einzufügen, Schöpfer einer besonderen Welt und Sprache: „Calling me for Termin. Es besteht keine Notwendigkeit für ein solches Gesheft. Es gibt Städte im Schwarzwald, in denen der Anteil der Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion 60-70% beträgt.
Es versteht sich von selbst, dass die Deutschen es nicht besonders mögen, wenn man beim ersten Treffen sagt, dass man aus Russland/Ukraine/Kasachstan kommt.

Wein

Die Römer hinterließen in Deutschland ein ausgedehntes Straßennetz. Eine davon führt von Bonn über den Schwarzwald nach Basel (Badische Weinstraße). Sie verläuft größtenteils entlang des Rheins. Und heute wird er nicht mehr hauptsächlich mit den Römern in Verbindung gebracht, sondern mit Wein.

Viele würden zustimmen, dass die Deutschen ein ziemlich gutes Bier brauen, aber man kann sagen, dass der Weißwein in Deutschland noch besser ist. Aber es ist nicht leicht, sie zu finden, weil die Deutschen selbst besondere Vorlieben haben (sie mögen alles sauer). In den meisten Fällen konzentrieren sich die Weingüter auf Riesling. Die lange Reifung der Trauben macht den Wein leicht zugänglich, und das vergleichsweise warme Klima nährt ihn mit fruchtigen Noten, die die allen Weißweinen innewohnende Säure ausgleichen. Weine, die es wert sind, verkostet zu werden, sind in Supermärkten nicht leicht zu finden. Diese Sorten sind vom Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) qualifiziert, was ihre Qualität beweist. Die Erzeuger, die dieser Vereinigung angehören, verfolgen einen Terroir-Ansatz, d. h. sie verwenden nur lokale Rohstoffe, die in einem bestimmten Gebiet und unter bestimmten Bedingungen angebaut werden. Nur eine bestimmte Anzahl von Trauben pro Hektar darf von Hand geerntet werden, so dass die Produktionsmengen gering sind. Weine mit den VDP-Bezeichnungen Große Lage und Gewächs lassen sich am besten in den über tausend Weingütern des Schwarzwaldes verkosten.
Lebensmittel

Die Küche des Schwarzwaldes ist in der gesamten Region mehr oder weniger einheitlich. Die Ernährung der alten Bauern wird von denjenigen übernommen, die heute die meiste Zeit am Schreibtisch vor ihrem Computer sitzen. Dazu gehören eine kohlenhydratreiche Ernährung, fermentiertes Gemüse und Essiggurken aus Kohl oder Gurken, die die Verdauung fördern.
Zu den lokalen Spezialitäten gehören neben den allgegenwärtigen Schweinswürsten auch Spätzli oder Knödel – frittierte Teigstücke, die manchmal mit Kartoffeln oder Käse belegt sind. Sie werden als Beilage zu Fleisch und Soße serviert.
Flammkuchen, ein pizzaähnliches Gebäck auf dünnem, knusprigem Teig, ist besonders im Nordschwarzwald und im Elsass beliebt. Im Süden hingegen ist der Flammkuchen schwieriger zu bekommen, da hier der Einfluss der benachbarten Schweiz zu spüren ist und der Schwerpunkt auf Rösti (Kartoffeln mit Käse) und Raclette (Kartoffeln, Käse, Gurken, Gemüse oder Fleisch) liegt.

Das Hauptgericht der Schwaben sind Mauletaschen, viereckige Knödel mit Füllung. Als Belag werden Spinat der Saison, Kartoffeln, Fleisch und Käse verwendet. Die Knödel können in Brühe serviert werden. Im Großen und Ganzen sind sie ein verständliches Gericht für unsere Wahrnehmung. Das Unergründliche ist dagegen der Wurstsalat – ein Teller mit Wurst oder Würstchen mit Mayonnaise.

Das Hauptgericht der deutschen Küche ist jedoch der Döner Kebab (Schawerma). Dönerläden arbeiten wie ein Uhrwerk, ohne Wochenenden, Streiks oder religiöse Feiertage, von denen es viele gibt.

Ein Dauerbrenner unter den Süßspeisen im Schwarzwald ist die Schwarzwälder Kirschtorte – Schokoladenbiskuit, Kirschwodka zum Tränken, viel Buttercreme zwischen den Schichten. Die dekorativen Schokoladenraspeln symbolisieren die Dunkelheit des Waldes und die Kirsche ist das Symbol der Region.

Nordschwarzwald

Der Nordschwarzwald ist säkular, urban und industriell geprägt. Hier gibt es zahlreiche Unternehmen, Hochgeschwindigkeitsstrecken und städtische Infrastrukturen, was vor allem auf das relativ flache Terrain zurückzuführen ist. Der Wald ist hier karg und rau, weil er für die Deutschen (aus Frankfurt, Stuttgart und anderswo) am leichtesten zu erreichen ist.
Der Nordschwarzwald ist die Heimat der Schwaben, die sich stolz mit dem Slogan „Wir können alles“ bezeichnen. Außer Hochdeutsch („Wir können alles, außer normales Deutsch sprechen.“) Über die Schwaben wird nicht nur wegen ihres rustikalen Dialekts, sondern auch wegen ihres Geizes und Misstrauens gewitzelt.
Entgegen der landläufigen Meinung sieht der durchschnittliche schwäbische Deutsche nicht sehr sportlich und fröhlich aus – er raucht, lächelt wenig und isst Brötchen. Kann über längere Zeiträume oder auf Körperteile starren, die er/sie attraktiv findet. Der Sinn für Humor ist nicht vorhanden oder fast verschwunden.
Unsere Vermieterin, Frau Heinz, kam zu den Versammlungen in einem blauen Porsche-Cabrio (das hier hergestellt wurde), schleppte einen Eimer mit Chemikalien und eine Gartenschere an, stutzte die Büsche in der Nähe des Hauses, schrubbte das Badezimmer von Kalkablagerungen und rauchte schnell ein paar Zigaretten, bevor sie sich auf den Weg machte. Ungewöhnlicher Fleiß und Einfachheit.